Der Morgenkreis (MK)

Was ist ein Morgenkreis?

Dies ist die Bezeichnung für eine Stunde der Zusammenkunft, in der der „Arbeit des Herzens“ Vorrang vor der „Arbeit des Kopfes“ eingeräumt wird. Im Zentrum des Morgenkreises stehen die Menschen, die hier einander begegnen.

Warum?

In dieser Unterrichtssequenz wird bewusst der Persönlichkeitsentwicklung Raum gegeben. Personale Begegnung und die Zeit für das Wachsen von Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft werden in besonderer Weise geschätzt und gefördert. Immer wieder wird das Augenmerk auf Wege vom Hören zum Aufnehmen, vom Sehen zum Anschauen, vom Schweigen zum Stillwerden gelegt. So können über die Jahre hinweg Haltungen entstehen, die für ein soziales Miteinander in allen Lebenslagen bedeutsam sind und die wesentliche Grundlage eines erfolgreichen Lernweges darstellen.

Wann?

Der Morgenkreis eröffnet idealerweise die Woche und findet regelmäßig statt. Die Pädagogin/der Pädagoge sowie Kinder bzw. Jugendliche kommen nach dem Wochenende aus ihren unterschiedlichen Lebenswelten wieder in der Gemeinschaft der Bildungseinrichtung an. Die Dauer des Morgenkreises richtet sich nach der aktuellen Situation und dem jeweiligen Inhalt. Es ist deshalb von Vorteil, wenn die Morgenkreisleiterin/der Morgenkreisleiter den Zeitrahmen flexibel gestalten kann und sich z.B. nicht streng an einem 50-Minuten-Raster orientieren muss. 

Wer?

In der Regel leitet die Pädagogin/der Pädagoge (Gruppenleiterin/Gruppenleiter, Klassenlehrerin/Klassenlehrer oder eine andere ausgebildete Bezugsperson) den Morgenkreis. Sie/er bereitet den Morgenkreis vor. Jugendliche können zunehmend ermutigt und angeleitet werden, Morgenkreise selbst zu planen und zu gestalten.

Inhalte/Kompetenzen

Als Themen bieten sich Naturwahrnehmungen, Jahreszeiten, ethische Fragen, aktuelle Geschehnisse, religiöse Feste und auch Problemsituationen innerhalb der Klasse an. Persönliche Anliegen können eingebracht und besprochen werden. Es soll Raum für Unaussprechbares - Unausgesprochenes sein und Stille kann zur gemeinsamen Sprache werden. Im Mitteilen von Gefühlen, Empfindungen und Erfahrungen entwickeln sich personale, soziale und sprachliche Kompetenzen.

Angestrebte Kompetenzbereiche:  

  • kommunikationsfähig werden 
  • qualifiziertes Feedback geben und nehmen    
  • über sich selbst und das eigene Tun reflektieren   
  • sich in die Gemeinschaft einbringen      
  • sich mit dem Menschsein auseinander setzen      
  • Achtsamkeit üben im Umgang mit mir selbst und meiner Umgebung     
  • den eigenen Körper wahrnehmen     
  • Empathie entwickeln      
  • Konflikte lösen lernen     
  • Sinneserfahrungen machen    
  • Ruhe und Stille erfahren und einüben   
  • spirituelle Zugänge entdecken

  
In den katholischen Privatschulen und in katholischen Bildungseinrichtungen für Elementarpädagogik spielen im Morgenkreis liturgische Elemente und Rituale, verschiedene Formen der Meditation und des Gebetes, das Theologisieren und Philosophieren, aber vor allem die Bezugnahme auf Feste und Feiern des Kirchenjahres (wie zum Beispiel Erntedank, Allerheiligen, Heiligenfeste, Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern u.a.) eine wichtige Rolle. In Kooperation mit der Religionslehrerin/dem Religionslehrer werden religiöse Elemente (Aktivitäten, Feiern, Gottesdienste etc.) geklärt.

Methoden

Die Leitung des Morgenkreises setzt dessenKlassensinfonie Vorbereitung voraus und nimmt dabei den Inhalt und die äußere Form mit gleicher Wichtigkeit in den Blick. Damit sich alle Personen gut sehen und als gleichberechtigt fühlen können, empfiehlt sich in besonderem Maße die Kreisform. Auch die Morgenkreisleitung reiht sich in diesen ein und ist damit sinnbildlich Teil der sich hier versammelnden Gemeinschaft.  Eine ästhetisch gestaltete Mitte, z. B. mit einer Kerze, jahreszeitlichen Pflanzen oder symbolischen Gegenständen, bildet einen beruhigenden Blickfang, ermöglicht innere Sammlung, schafft eine geeignete Atmosphäre und kann bereits inhaltliche Impulse geben. Auf Ästhetik in Wort, Bild, Klang und Gestaltung wird besonderer Wert gelegt. Rituale bewähren sich vor allem zu Beginn und/oder zum Ende der Einheit. Leistungsbewertung bzw. Beurteilung finden nicht statt.

Geschichten, Texte, Legearbeiten, Bilder, Phantasiereisen, Anregungen zum Staunen, Beobachten und neugierig werden, Lieder, Bewegungs- und Kooperationsübungen, Kommunikationsübungen (Rollenspiele), Sinnesmaterial, Meditation, Gestaltungsarbeiten usw. finden hier ihre spezielle Anwendung.

Vorlage MK-1.docx