Schulpastoral - Verschiedenheit bereichert

Mag. Matthias Hohla, Referent für Ökumene und Krankenhausseelsorge

Viele Schulen im Gebiet unserer Erzdiözese Salzburg haben einen hohen Prozentsatz an Schülern, deren Muttersprache türkisch, bosnisch, serbisch ist bzw. die einer anderen christlichen oder kulturellen Tradition entstammen (serbisch-orthodox) bzw. einer anderen Weltreligion (Islam) angehören. Im Pflichtschulbereich in den größeren Orten der Erzdiözese Salzburg sind 20 bis 40 Prozent türkischstämmige bzw. muslimische Kinder und Jugendliche in vielen Klassen keine Seltenheit mehr. Auch in den höheren Schulen, vor allem mit Berufsausbildung, nehmen muslimische Jugendliche an Zahl zu.

Für die Vermittlung der katholischen Religion bzw. die Feier von Festen oder bestimmte lieb gewordene Traditionen bedeutet in der sog. „öffentlichen“ Schule, dass christliche (katholische) Glaubensvermittlung in vielen Fällen mit einem Blick auf die im Klassenverband vorhandenen Kulturen und Religionen geschehen muss. Wenn katholisch nicht für eine begrenzte Sparte religiöschristlichen Denkens und Glaubens steht, sondern im Sinne von allumfassend gemeint ist, dann ist Multikulturalität in der röm.-katholischen Kirche bestens aufgehoben.

Spannend wird es dann, wenn ich über Gott, die Art und Weise seiner Offenbarung, des Betens und der Ethik nicht „monoreligiös“ denke und spreche, sondern mitbedenke, wie denn MitschülerInnen anderer religiöser und kultureller Traditionen über diese Inhalte denken. Deshalb ist die Grundlage interreligiöser und interkultureller Erziehung die Begegnung mit den Vertretern anderer Kulturen und Religionen. Gegenseitige Einladungen der „Anderen“ in den RU stehen hier an erster Stelle. Wichtig erscheint mir nur, dass diese Einheiten gut vorbereitet und aufbereitet sind. Auch sollte die „Anschlussfähigkeit“ (Deutschkenntnisse, Auseinandersetzungsfähigkeit) der muslimischen Lehrkraft der türkischen, bosnischen oder tschetschenischen Eltern gegeben sein. Fruchtbringend kann jedoch auf Dauer nur ein gegenseitiger Dialog der unterschiedlichen Kulturen und Religionen sein. Wenn Sie Ihre muslimische Kollegin bzw. Kollegen oder den serbisch-orthodoxen Priester vor Ort in den Unterricht einladen, sollten auch Sie die Möglichkeit haben, in der anderen Gruppe über den katholischen bzw. christlichen Glauben zu reden.

In vielen Schulen stellt sich daher das Problem gemeinsamer Schulfeiern (z.B. zum Beginn oder zum Ende des Schuljahres).
Wäre es nicht besser ganz auf diese „religiösen“ Feiern zu verzichten?
Eine Errungenschaft des österreichischen Schulsystems ist ganz sicher, dass Religion sinnstiftend in diesem öffentlichen Raum präsent ist. Viele Schulen sind jedoch schon längst nicht mehr christlich oder rein katholisch. Ein Kompromiss könnte daher sein, die an das Kirchenjahr gebundenen Feste „christlich bzw. katholisch“ zu feiern und am Anfang und am Ende eine Multireligiöse Feier mit den in der Schule vertretenen Religionen zu begehen. Eine solche Feier braucht jedoch eine möglichst langfristige Vorbereitung.

Dabei ist zu bedenken:

  • Die ganze Schule, der Direktor bzw. die Direktorin und der Lehrkörper müssen hinter dieser Idee stehen und an der Vorbereitung und Durchführung nach Möglichkeit beteiligt sein.
  • Die Vorbereitung muss von Vertretern der teilnehmenden Religionsgemeinschaften gemeinsam vorbereitet und durchgeführt werden, d.h. die muslimische Lehrkraft muss zumindest in der Vorbereitung eine tragende Rolle spielen.
  • Der jeweilige RU muss mindestens ein Jahr lang durch das Kennenlernen der anderen Religion bzw. christlichen Tradition geprägt sein (gegenseitige Klassenbesuche, einzelne Projekte)
  • Texte und Lieder sollten gemeinsam ausgewählt werden und von Kindern/Lehrern/Pfarrern/Imamen der jeweiligen Religion vorgetragen werden. (Vorbild: Gebetstreffen Assisi mit Papst Johannes Paul II 1986)
  • Eine klare Zuschreibung der Teile (Bibel, Koran u.a.) zur entsprechenden Religion bzw. Konfession sollte leicht möglich sein.
  • Fürbitten und Dankgebete könnten gemeinsam erarbeitet werden und abwechselnd vorgetragen werden.
  • Zu beachten ist: Dass sich alle Gebete auf den einen Gott beziehen. (Das heißt nicht, dass wir Christen auf die Lehre der hl. Dreifaltigkeit „verzichten“, sondern dass dem gemeinsamen zwischen den Religionen an dieser Stelle mehr Platz eingeräumt wird.)